EN 1090 und Ausführungsklasse EXC2: Der Stahlbau hinter einem Solar-Carport
CE-Kennzeichnung nach EN 1090-1, Ausführungsklassen nach EN 1090-2, Feuerverzinken nach ISO 1461 und verschraubte Verbindungen ohne Baustellenschweißung – was die Normen für Qualität und Genehmigung eines Solar-Carports bedeuten.
Elite PV GmbH · Veröffentlicht am 04. September 2026 · Zuletzt geprüft am 04. September 2026 · 5 Min. Lesezeit
Zwischen einem Carport, der zwanzig Jahre unauffällig seinen Dienst tut, und einem, der nach fünf Wintern Rost an den Fußpunkten zeigt, liegen keine Sichtunterschiede am Tag der Montage. Die Unterschiede liegen in der Ausführung: in Schweißnähten, Toleranzen, Verzinkung, Schraubverbindungen und in der Frage, ob jemand das alles geprüft und dokumentiert hat. Genau dafür gibt es die Normenreihe EN 1090. Sie ist seit Juli 2014 für tragende Stahl- und Aluminiumbauteile verbindlich und der Grund, warum in jedem Parkpower-Datenblatt „DIN EN 1090-1 (EXC2)“ steht.
EN 1090-1: Die CE-Kennzeichnung tragender Bauteile
Teil 1 regelt, wie ein Hersteller die Konformität seiner tragenden Bauteile nachweist. Kern ist die werkseigene Produktionskontrolle, die von einer notifizierten Stelle zertifiziert und regelmäßig überwacht wird. Nur ein Hersteller mit diesem Zertifikat darf tragende Stahlbauteile mit CE-Kennzeichnung und Leistungserklärung in Verkehr bringen. Für den Bauherrn bedeutet das: Die Stützen, Riegel und Pfetten seines Carports stammen aus einem Werk, dessen Prozesse – vom Materialzeugnis über die Schweißaufsicht bis zur Endkontrolle – geprüft sind. Ohne diese Kennzeichnung ist ein Tragwerk in Deutschland nicht verwendbar, ganz gleich, wie es aussieht.
Für Aluminiumtragwerke gilt dasselbe Verfahren über EN 1090-3; die Vela-Serie mit ihrer Hauptstruktur aus Aluminiumlegierung 6005-T5 fällt darunter.
EN 1090-2: Ausführungsklassen von EXC1 bis EXC4
Teil 2 beschreibt, wie ein Stahltragwerk auszuführen ist, und staffelt die Anforderungen in vier Ausführungsklassen. EXC1 gilt für untergeordnete Bauteile mit geringen Folgen im Versagensfall, EXC4 für Sonderbauwerke wie Brücken mit sehr hohen Folgen. EXC2 ist die Regelklasse des Hochbaus: Tragwerke, unter denen sich Menschen aufhalten, mit normalen Folgen bei Versagen. Ein Solar-Carport über einem Kundenparkplatz gehört eindeutig hierher.
Die Klasse bestimmt Konkretes. Sie legt fest, welche Toleranzen bei Längen, Winkeln und Geradheit einzuhalten sind, welche Qualifikation die Schweißaufsicht braucht, wie viele Nähte zerstörungsfrei geprüft werden, welche Bewertungsgruppe für Schweißnahtunregelmäßigkeiten gilt und was zu dokumentieren ist. Für EXC2 ist eine Schweißaufsicht mit angemessener technischer Kenntnis vorgeschrieben, die Schweißer müssen nach den einschlägigen Normen geprüft sein, und die Fertigung braucht ein Qualitätsmanagement für das Schweißen nach EN ISO 3834. Wer als Bauherr ein Angebot ohne Angabe der Ausführungsklasse erhält, sollte nachfragen – die Antwort sagt viel über den Lieferanten.
Verschraubt statt geschweißt: Warum das auf der Baustelle zählt
Beide Parkpower-Stahlserien sind vollständig verschraubt. Alle Schweißungen entstehen im Werk, unter Dach, in Position, mit Prüfung. Auf der Baustelle werden Bauteile gefügt, nicht gefertigt. Das hat drei Vorteile. Erstens Qualität: Baustellenschweißungen bei Wind, Nässe oder in Zwangslage sind schwerer zu kontrollieren, und nachträgliches Verzinken ist dort nicht möglich – jede Baustellennaht bräuchte einen Korrosionsschutz von Hand, der selten die Werksqualität erreicht. Zweitens Geschwindigkeit: Ein verschraubtes Raster steht in Tagen, die Montage lässt sich in Abschnitten organisieren, sodass der Parkplatz nur teilweise gesperrt ist. Drittens Rückbau: Ein verschraubtes Tragwerk lässt sich demontieren, versetzen oder erweitern, was bei Mietflächen und wachsenden Standorten ein echter Wert ist.
Die Schraubverbindungen selbst folgen den Regeln der EN 1090-2: definierte Schraubengarnituren, Vorspannung wo gefordert, Anziehverfahren und Dokumentation. Die Statik weist jede Verbindung nach, die Montageanleitung legt Drehmomente fest, das Montageprotokoll hält sie fest.
Korrosionsschutz: Feuerverzinken nach ISO 1461
Ein Carport steht im Freien, an den Fußpunkten im Spritzwasser, im Winter im Streusalz. Der Korrosionsschutz der Parkpower-Stahlserien ist das Feuerverzinken nach DIN EN ISO 1461: Das fertig geschweißte Bauteil wird in flüssiges Zink getaucht, sodass sich eine mit dem Stahl verbundene Zinkschicht auch in Hohlräumen und an Kanten bildet. Die Norm legt Mindestschichtdicken in Abhängigkeit von der Materialdicke fest. Je nach Materialdicke liegen sie zwischen 55 und 85 Mikrometern, was in ländlicher und städtischer Atmosphäre Schutzdauern von mehreren Jahrzehnten ergibt. Wo eine Farbgebung gewünscht ist, kommt eine Pulverbeschichtung als Duplex-System darüber – sie verlängert den Schutz und liefert die RAL-Farbe.
Wichtig ist die Reihenfolge: erst schweißen, dann verzinken, dann bohren nur, wo es unvermeidbar ist. Jede nachträgliche Bearbeitung öffnet die Zinkschicht; deshalb sind alle Bohrungen und Anschlüsse in der Werksfertigung vorgesehen.
| Norm | Regelt | Bedeutung für den Carport |
|---|---|---|
| EN 1090-1 | Konformitätsnachweis, CE, Leistungserklärung | Bauteile bauaufsichtlich verwendbar |
| EN 1090-2, EXC2 | Toleranzen, Schweißen, Prüfumfang, Dokumentation | Regelklasse für Tragwerke über Menschen |
| EN ISO 3834 | Qualitätsanforderungen Schweißen | Voraussetzung für EXC2-Fertigung |
| EN ISO 1461 | Feuerverzinkung, Schichtdicken | Korrosionsschutz für Jahrzehnte |
| EN 1090-3 | Aluminiumtragwerke | Gilt für die Vela-Serie |
Was das für Genehmigung und Gewährleistung heißt
Für den Bauantrag liefern die Normen die Sprache, in der Statik, Ausführung und Bauüberwachung miteinander reden: Die Statik setzt eine Ausführungsklasse voraus, das Werk fertigt danach, die Bauüberwachung prüft die Übereinstimmung. Elite PV plant den Carport, prüft die Standortstatik, montiert mit eigenen Teams und trägt die Gewährleistung für das Gesamtsystem; der Stahlbau kommt mit CE-Kennzeichnung und Leistungserklärung des Herstellers. Diese Arbeitsteilung ist üblich und richtig – und sie ist der Grund, warum ein Carport nach EN 1090 EXC2 im Jahr 2046 noch genauso trägt wie heute.
Woran Sie eine EXC2-Fertigung erkennen
Die Ausführungsklasse ist kein Etikett, sondern ein Papierstapel – und den kann man einsehen. Zum Lieferumfang eines Tragwerks nach EN 1090 gehören das Zertifikat der werkseigenen Produktionskontrolle mit der freigegebenen Ausführungsklasse, die Leistungserklärung und CE-Kennzeichnung der tragenden Bauteile, die Werkstoffzeugnisse des Stahls, die Schweißanweisungen mit Qualifikation der Schweißer und der Schweißaufsicht, die Prüfprotokolle der Schweißnähte im festgelegten Umfang, der Nachweis der Feuerverzinkung mit Schichtdicken und schließlich die Montagedokumentation mit den Anziehprotokollen der Schraubverbindungen. Fehlt eines dieser Dokumente, ist die Klasse nicht belegt. Für die Bauüberwachung und für die spätere Betreiberhaftung ist dieser Ordner ebenso wichtig wie die Statik selbst: Er zeigt, dass das gebaute Tragwerk das gerechnete ist. Elite PV übergibt ihn mit der Abnahme – zusammen mit Modulzertifikaten, Anlagendokumentation und Wartungsplan.
Kurz beantwortet
- Was bedeutet EXC2?
- Die Ausführungsklasse 2 nach EN 1090-2 ist die Regelklasse für Tragwerke des Hochbaus mit normalen Folgen im Versagensfall. Sie legt Toleranzen, Schweißüberwachung, Prüfumfang und Dokumentation fest.
- Warum wird auf der Baustelle nicht geschweißt?
- Werksschweißungen laufen unter überwachten Bedingungen mit qualifiziertem Personal und Prüfung; auf der Baustelle sind Witterung, Position und Prüfbarkeit schlechter. Verschraubte Verbindungen sind reproduzierbar, dokumentierbar und rückbaubar.
- Wer stellt die CE-Kennzeichnung aus?
- Der Stahlbauhersteller mit zertifizierter werkseigener Produktionskontrolle. Elite PV plant, prüft die Statik, montiert und übernimmt die Gewährleistung für das Gesamtsystem.
Quellen
- DIN EN 1090-1 – Ausführung von Stahl- und Aluminiumtragwerken, Konformitätsnachweisverfahren für tragende Bauteile · 2012
- DIN EN 1090-2 – Technische Regeln für die Ausführung von Stahltragwerken (Ausführungsklassen EXC1 bis EXC4) · 2018
- DIN EN ISO 1461 – Durch Feuerverzinken auf Stahl aufgebrachte Zinküberzüge · 2023
- Parkpower Datenblätter Series C v2.3 und Series B v1.2 – Konstruktionsnorm DIN EN 1090-1 (EXC2), vollständig verschraubt · 09/2026
Verwandte Themen
- RatgeberSolar-Carport am Baumarkt: Große Parkplätze, Solarpflicht, Roll-out über FormateBaumärkte haben Parkplätze mit 100 bis 300 Stellplätzen, Gartencenter mit Kühlung und Beleuchtung sowie Kunden mit Transportern. Warum der Solar-Carport dort die Solarpflicht erfüllt, was Direktvermarktung und Netzanschluss bedeuten und wie Ketten den Roll-out standardisieren.
- RatgeberSolar-Carport am Fitnessstudio: Lange Öffnungszeiten, Klimatechnik, MitgliederparkplatzFitnessstudios laufen von sechs bis dreiundzwanzig Uhr mit Lüftung, Klimatisierung, Sauna und Beleuchtung – ein Lastprofil, das den Solar-Carport nahezu vollständig nutzt. Auslegung für Mitgliederparkplätze, Laden als Mitgliedervorteil, Pflichten und Wirtschaftlichkeit.
- RatgeberSolar-Carport für Hofladen und Landwirtschaft: Kundenparkplatz, Kühlung, AußenbereichHofläden, Direktvermarkter und Betriebe mit Kundenverkehr haben Parkplätze, Kühlung und Maschinen – und liegen oft im Außenbereich. Was der Solar-Carport dort leistet, wie er sich von Agri-Photovoltaik unterscheidet und was § 35 BauGB für die Genehmigung bedeutet.
- RatgeberSolar-Carport an Schule und Bildungseinrichtung: Kommunale Pflicht, Ferienlücke, LernortSchulen haben kleine Lehrerparkplätze, lange Ferien und einen Träger, der ausschreibt. Warum die Anlage klein und unter 100 kW bleiben sollte, was die Kommunalrichtlinie fördert, wie der Carport zum Lernort wird und welche Landespflichten kommunale Bauherren treffen.